Bekennende Heiner

Carla und Hans-Rolf Ropertz sind
die „Bekennenden Heiner 2010“

Zum fünften Mal kürt der Heinerfestausschuss im Rahmen der Eröffnung des Festes einen „Bekennenden Heiner“. In diesem Jahr, zum 60. Heinerfest, verdoppelt er diese Ehre und nimmt ein Ehepaar in diesen Kreis auf, eine Einheit, eine Untrennbarkeit: Carla und Hans-Rolf Ropertz. So haben wir sie in all den Jahren erlebt. Sie sind ein Stück Darmstadt, ein Stück Stadtgeschehen und ein Stück unseres Alltags. Hans-Rolf Ropertz war von seinen Eltern für das Modehaus bestimmt. Nach seinen Neigungen hätte er viele andere Wege gehen können – ein Studium der Geisteswissenschaften und der Literatur lagen nahe. 1955 machte er am LGG Abitur und trat 1956 nach dem Tode seines Vaters in die Firma Henschel + Ropertz ein. Er studierte Jura und wurde 1964 mit einer Dissertation zum Thema „Freiheit der Kunst“ zum Dr. jur. promoviert.

Carla und Hans-Rolf Ropertz

Foto: Roman Größer

Es waren eben Zeiten, in denen man sich fügte. Im Rahmen seiner „Lehrjahre“ für das Modehaus H+R traf er 1961 im Westfalenkaufhaus in Gelsenkirchen auf Carla Fehlow. Sie kam von der Hochschule der Künste in Berlin und war im Westfalenkaufhaus schon in jungen Jahren Abteilungsleiterin/Einkäuferin für Mode. Die Begegnung war unausweichlich und schicksalhaft. Zwei intellektuelle Persönlichkeiten an den Startpunkten für ihre Lebensgestaltung. Sie verliebten sich schnell und waren sich bald darin einig, dass das Zusammenfügen ihrer Wege und Neigungen ihrem Leben eine stabile Gemeinsamkeit gibt. Sie heirateten 1963.

1965 begann ihre gemeinsame Arbeit für das Familienunternehmen im Besitz der Familien Henschel und Ropertz: Hans-Rolf Ropertz als Ein- und Verkaufsleiter, Carla zunächst als Ausbilderin, dann als Prokuristin und in den späteren Jahrzehnten als Geschäftsführerin, zuständig für die Koordination des Einkaufs und der Werbung. Sie führten das Modehaus Henschel + Ropertz in guter Gemeinsamkeit mit Herrn Dr. Horst-Volker Henschel und machten es zu einem Mittelpunkt des Darmstädter Geschäftslebens. Das Haus war über Jahrzehnte der Treffpunkt, die Mode- und Ausstattungsstation, war tonangebend und beispielhaft. Sie kleideten nicht nur Darmstadt ein, sondern auch die umgebende Region. Sie gründeten eine Dependance in Michelstadt und Heidelberg. Sie beschäftigten und schulten herausragendes Personal, pflegten Verbindungen zur internationalen Modewelt und gaben Darmstadt einen besonderen Akzent.

Ihr persönliches, privates Darmstädter Leben ist zurückhaltend, immer kulturell ambitioniert und engagiert. Hans-Rolf Ropertz überträgt man zahlreiche ehrenvolle Ämter in den unterschiedlichsten Bereichen: Handel und Wirtschaft, Kultur, Soziales, Stadtmarketing u.v.a.m. Über viele Jahre ist er Präsident der IHK Darmstadt. Bis heute ist er seiner Schule verbunden, dem Ludwig-Georgs-Gymnasium, in den 60er Jahren als Vorsitzender des Vereins LGG, heute Ehrenmitglied der Schulgemeinde. Schon 1984 hat man ihn für sein vielfältiges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Auch Carla Ropertz setzt Akzente in ihren Interessenbereichen. Sie ist Gründungsvorstand der Aktion Theater-Foyer, im Vorstand der Bürgerstiftung, im Kunstverein und des Inner Wheel Clubs Darmstadt, wo sie 2007/08 die Präsidentschaft übernahm. Alles was sie machen, tun sie in Gemeinsamkeit und Übereinkunft. Ich habe sie selten alleine gesehen oder erlebt. Deshalb war es auch eine ganz klare Entscheidung, sie nur zusammen als Bekennende Heiner zu ehren. Und endlich haben wir auch eine Frau in diesem Kreis. Dass dies Carla Ropertz ist, freut mich von Herzen, denn ihre Art, das Leben und ihre Aufgaben zu „händeln“, sind für mich beispielhaft und zur Nachahmung zu empfehlen.

Beide haben das Kaufhaus bis über den Ruhestandszeitpunkt hinaus geführt und begleiten seinen Weg auch weiter. Und wie die Zeit zeigt, haben sie es auch erreicht, es in solche Hände zu geben, dass die Ausstrahlung des Hauses bleibt und die Zukunft gesichert ist. Der Wunsch nach mehr Ruhe, mehr Zeit – lange vor sich Hergeschobenes – erfüllt sich nur teilweise, denn es kommen jetzt noch mehr Wünsche für weitere ehrenamtliche Unterstützung auf. Zumindest ist ein großer Wunsch erfüllt: Als Chronist seines Lebens, seines Unternehmens und des Darmstädter Zeitgeschehens hat Hans-Rolf Ropertz jetzt zu seinem 75. Geburtstag eine dreibändige Dokumentation herausgebracht. Sorgfältig zusammengetragen, akribisch geordnet und engagiert und liebevoll formuliert hat er ein Stück Darmstädter Geschichte und Geisteshaltung sich und uns zum Geschenk gemacht. Ein privater Beitrag, ein Stück Darmstadt, ein Persönlichkeitsbild, das uns das Verantwortungsbewusstsein des Verfassers wohltuend deutlich macht, das man in unserer Zeit so schmerzlich schwinden sieht.

Aus der entfernten Beobachtung wirkt Hans-Rolf Ropertz wie ein verträumter Wissenschaftler, wie eine Gestalt aus einer anderen, wohlerzogenen Zeit.
Wer Gelegenheit zu einem privaten Gespräch oder einem Abend in Freundesrunde hat, lernt einen witzig-charmanten-amüsanten Menschen kennen. Der feine Schliff bleibt, aber man entdeckt einen lebensklugen phantasievollen Erzähler. Das „offene Herz und offene Ohr“ für die Kunst und alle Dinge des Lebens, das sich Carla und Hans-Rolf Ropertz als Motto gewählt haben, beschert ihnen ein glückliches, dankbares, nunmehr fast 50jähriges Zusammenleben.

Wir Heiner sind stolz auf unsere „Bekennenden Heiner 2010“ und hoffen und wünschen, dass sie uns noch viele Jahre begleiten.

Liane Palesch