Bekennende Heinerin 2015: Liane Palesch

Leben und arbeiten in Darmstadt

Mein Name ist Liane Esther Palesch.
Seit 1951 bin ich mit Darmstadt eng verbunden, seit mich die Mutter der Handelsschule Häuser als Urlaubsvertretung an einen Darmstädter Verlag vermittelte: die Neue Darmstädter Verlagsanstalt in der Holzhofallee 36. Das war ein großer Glücksumstand für mein Leben. Die Neue Darmstädter Verlagsanstalt war in unserer Zeit in Buchform herauszubringen. Ich wohnte damals im Odenwald, wohin es uns in den letzten Kriegstagen verschlagen hatte.

Die Anfahrt war weit, meine Bürokenntnisse mangelhaft und alles in allem war ich etwas unbedarft. Ich kam in eine ganz andere Welt. Aber ich wurde von der Verlegerfamilie Holzapfel sehr liebevoll aufgenommen. Nach der Urlaubsvertretung wurde ich als Verlagslehrling eingestellt. Ich lernte viele interessante Persönlichkeiten kennen und wurde im Schnellverfahren mit dem neuen Umfeld vertraut. In sieben Jahren habe ich hier viel gelernt und viel Gutes erfahren. Ich habe alle Darmstädter Gespräche begleitet und an ihrer Umsetzung mitgearbeitet.
Auf für heutige Verhältnisse vorsintflutlichen Tonbandgeräten haben wir die Gespräche für die Protokollbände übertragen. Die Darmstädter Gespräche und ihre Themen waren damals wichtige, vielbeachtete Standortbestimmungen und Wege zur Neuorientierung mit interna­tionaler Ausrichtung und internationaler personeller Besetzung.

Für zwei Jahre arbeitete ich anschließend in der Schweiz, bevor ich im Dezember 1961 zum Presseamt der Stadt Darmstadt kam. Meine Darmstadt-Kenntnisse und mein Darmstadt-Engagement wurden hier herausgefordert und intensiviert. Hier lief damals wirklich alles zusammen, was in der Stadt geschah und was die Zukunft bestimmte. Man war mittendrin in einer politisch und kulturell sehr lebendigen Zeit. Pressereferent war damals Dr. Reinhold Staudt, er war auch Mitglied des Heinerfestausschusses und für die Publizität des Festes verantwortlich. So kam es, dass ich schon 1962 Pressearbeit für das Heinerfest machte. Je mehr sich die Arbeiten für das Presseamt veränderten und erweiterten durch Übernahme des Verkehrsamtes und des Kulturreferats, desto umfassender wurde mein Anteil am Gesamtpaket. So waren das Heinerfestprogramm und auch die Redaktion des „Lebendigen Darmstadt“, des damaligen Veranstaltungskalenders der Stadt, meine Aufgaben. Durch die Mitarbeit im Kulturreferat wurde ich auch Anfang der 70er Jahre mit der Darmstädter Sezession vertraut und Pit Ludwig, der damalige Sezessionspräsident, bat mich, die Geschäftsführung zu übernehmen. Daraus sind dann 21 Jahre geworden, ehrenamtlich für die Kunst. 1978 wechselte ich zur Südhessischen Gas und Wasser AG ins Vorstandsbüro von Otto Schmitt, der damals Heinerfestpräsident war. 1981, beim Ausscheiden von Otto Schmitt aus dem aktiven Dienst, wurde mit Unterstützung von Darmstädter Unternehmen ein Büro für all die kulturellen Institutionen eingerichtet. Inzwischen hatte ich noch die Schriftführung für die Hessische Spielgemeinschaft übernommen und das Management für das im Aufbau begriffene Künstlerhaus Ziegelhütte. Mein Arbeitskörbchen war kunterbunt und vielfältig und immer reich gefüllt und mit vielen Terminüberschneidungen gepflastert. Dieses Kulturbüro hat mir viel aufgebürdet und abverlangt, aber es war auch ein aktueller Mittelpunkt im Darmstädter Stadtgeschehen und ein weites Feld für engagierte Arbeit und Kreativität. Ich habe hier viel gelernt, viel getan, Mut beweisen können und habe vieles auf den Weg gebracht. Es war für mich ein Arbeitsleben wie ich es mir reicher nicht hätte wünschen können. Nach auf den Tag genau 50 Arbeitsjahren bin ich in den Ruhestand gegangen.

Einige der Vorstandsarbeiten gehen noch weiter, so beim Heinerfest und beim Künstlerhaus Ziegelhütte. 1983 wurde für die Rettung dieses Hauses ein Verein gegründet und seitdem bin ich für die Geschäftsleitung und Hausbelebung verantwortlich. Der langsame Ausklang ist eingeläutet. Das sind Ehrenämter und Herzensangelegenheiten, die einen wohl bis zum Ende begleiten.

Der Heimatverein Darmstädter Heiner e. V. ist seit mehr als 50 Jahren das Herzstück in meinem Tun und Treiben. In den frühen Jahren meiner Mitarbeit war ich die freundliche Anlaufstation für alle und alles. Der Ausschuss war ein reiner Männerverein, honorige und recht konservative Beamte und Darmstädter Persönlichkeiten. Als ich die Geschäftsführung übernahm änderte sich der Blickwinkel auf mich; für neue Vorschläge und Veränderungen brauchte ich viel Überzeugungskraft und Zeit. Aber wir haben uns gut zusammengefunden, und ich war wieder „des liewe Mädche“. Ich hab’s gut gehabt und wurde von allen verwöhnt.

Den Präsidenten Otto Schmitt, Günther Metzger und Little Klein bin ich besonders verbunden und auch Hans R. Vogel, der vor mir die Geschäfte geführt hat.

Ich empfinde es als schicksalhafte Fügung, dass ich nach den Wirren des Krieges nach Darmstadt gekommen bin. Seit 1961 lebe ich hier. 1975 haben wir ein altes Haus am Rande der Stadt gekauft. Darmstadt ist mein Lebensmittelpunkt, meine Heimat. Ich konnte mir nie vorstellen, woanders zu leben. Die Stadt war immer freundlich zu mir und auch die Menschen. Man hat mir viele gute Möglichkeiten gegeben.
Für den Heinerfestausschuss habe ich den „Bekennenden Heiner“ ausgedacht. In den neun Jahren wurden neun Persönlichkeiten damit ausgezeichnet, die alle besondere Verdienste um diese Stadt haben.

Dass ich als 10. Bekennender Heiner in diese Reihe treten darf, ehrt mich sehr und freut mich sehr.

Ich bedanke mich bei der Stadt, bei vielen lieben Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir geholfen, mich unterstützt und gefördert haben, und ich bedanke mich bei meinen HEINERN für diese Ehrung.

Ihre Liane Palesch