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Idyllisch speisen im Bärenzwinger des Residenzschlosses

Er ist ein ganz besonderer Ort, ein wenig versteckt, am ehemaligen Durchgang zum Schlossmuseum gelegen: der Bärenzwinger im Darmstädter Schloss. In den ehemaligen Zwingeranlagen und im benachbarten Schlossgraben wurden wohl einst zur Belustigung der Darmstädter Bevölkerung und ihrer Herrschaften, den landgräflichen und großherzoglichen Familien, Bären gehalten. Wenn auch die historischen Quellen nur spärlich sind, so ist zu vermuten, dass es bereits während der Zeit Landgraf Georg I. (1547-1596) sowie im 19. Jahrhunderts zurzeit Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein (1806-1877) Bären im Schloss gab, ein Geschenk des Zaren Alexander von Russland.

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Ein wenig Licht ins Dunkel bringt Hermann Müllers „Darmstädter Skizzenbuch" (2. Auflage 1925), das er im Übrigen den Heinern widmet: „Eine Samstag-Vormittag Idylle – Schaulustiges Publicum hat sich bei den Bären eingefunden – ein fremder Offizier kommt von der Audienz bei Ludwig III., desgleichen zwei hohe Beamten mit ihren Schockelgäulen. Erster wird von seinem Droschkenkutscher auf die Darmstädter Sehenswürdigkeit aufmerksam gemacht, welcher dem Großherzog von seinem Schwager, dem Kaiser Alexander von Russland zu Geschenk gemacht wurde.“ Einmal gelang es sogar einem Bären, so erzählt Müller weiter, die Schlossgrabenmauer zu erklettern, „die benachbarte Schildwache vermochte jedoch den braunen Gesellen beherzt mit dem Gewehrkolben hinunter zu treiben. Nachkommen hatte das Päärchen öfter, aber der grausame Vater verzehrte seine eigenen Jungen jedesmal wieder.“ Die possierlichen Tierchen sollen etwa 10 Jahre „Zum Vergnügen der Darmstädter in ihrem Zwinger bis zum Jahre 1862“ gelebt haben. Unter der Überschrift „Bär‘n lewe im Schlossgrawe“ hält Müller anschaulich in einer Zeichnung das Treiben von damals fest.

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Ganz friedlich und unbehelligt von Bären oder anderem Getier lässt es sich in diesem Jahr im lauschigen, idyllischen Bärenzwinger, umgeben von historischen Mauern des Darmstädter Schlosses, vorzüglich speisen. Jorgo Droukas und sein gastronomisches Team freuen sich auf Heinerfestbesucher mit Bärenhunger.  

Sabine Welsch