Heinerfest Logo

Bekennender Heiner 2008

„Little“ Klein

Bekennender Heiner 2008: „Little“ Klein

Er ist wieder da, und da haben wir gleich zugegriffen. Bis Ende März hat er noch in Leipzig gelebt, aber jetzt ist er wieder in „Draase“ daheim, der Little Klein. Für uns ist es eine Freude und eine Ehre, ihn als Bekennenden Heiner zu haben. Und für ihn ist es sicher ein Willkommensgruß, dass sich die Heiner freuen, dass er wieder hier ist.

Wenn man ihn im Internet herunterlädt, erfährt man: Dr. Hans-Joachim Klein, geboren am 20. August 1942 in Darmstadt (Schwimmer). Und unter sportliche Erfolge: Klein gewann von 1959 bis 1965 zahlreiche Deutsche Meisterschaften und stellte mehrere Weltrekorde auf. 1960 nahm er an den Olympischen Spielen in Rom teil. 1964 gewann er bei den Olympischen Spielen in Tokio drei Silbermedaillen (4x100 m Lagen und Freistil, 4x200 m Freistil) und eine Bronzemedaille (100 m Freistil). 1965 wurde er zum Sportler des Jahres gewählt. Von 2001 bis 2007 war er Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft.

Schwimmen lernte er mit seinen sportlichen Eltern im Rhein als 8jähriger. Mit 14 kam er zum DSW. Seine Mutter war der Meinung, dass Schwimmen gut ist für sein Rückgrat. Und das war gut für sein ganzes Leben. Seine Begabung, sein Fleiß und seine Disziplin fielen auf. Der Ungar Janos Satori trainierte damals den Verein. Schon 1958 war er als 15jähriger die Sensation bei den Süddeutschen Meisterschaften im Woog. Der Bub aus gutem Hause machte 1962 sein Abitur an der Georg- Büchner-Schule und ging dann zum Studium an die California Universität in Los Angeles. Er wollte Wirtschaftsingenieur werden. In Amerika war er Schwimmer für den Los Angeles AC und kraulte in den bedeutendsten Städten und Staaten der USA. 1963 kam er nach Darmstadt zurück und schrieb sich bei der Technischen Hochschule Darmstadt ein. Und er schwamm weiter. Die Studentenweltmeisterschaften in Brasilien und Weltrekordversuche in Japan bestimmten seinen weiteren Weg. Ihm blieb wenig freie Zeit. Hörsaal und Schwimmbecken füllten die Tage aus. Im „Darmstädter Echo“ habe ich unter dem 26.05.1964 eine ganze Seite voll Begeisterung über ihn gefunden, da hat er einen Weltrekord über 200 m Kraul aufgestellt: 1:58,2 Minuten. Sein selbstbewusster Kommentar dazu: „Ich wollte den Zweiflern zeigen, dass ich unter zwei Minuten kraulen kann. Dass dabei der Weltrekord fiel, umso schöner.“ Der Sportberichterstatter des Darmstädter Echo, Karl J. Richter, schrieb u.a. über ihn: „Es liegt im Metier des Sportjournalisten, dass er die Wege international bekannter Spitzensportler kreuzt. Mir ist dabei selten ein Rekordmann und Weltklassesportler begegnet, der so natürlich, so wohlerzogen, so zurückhaltend und doch aufgeschlossen ist wie Hans-Joachim Klein.“

littlekleinankunft

Am 6. November 1964 ist wieder eine Seite voll im Darmstädter Echo „Das war noch nicht da! Darmstadt empfängt seine siegreichen Olympioniken. Der Jubel war unbeschreiblich. So etwas hat Darmstadt noch nicht erlebt. Es mögen zwanzigtausend Menschen gewesen sein auf der Rheinstraße und auf dem Marktplatz.“ Nach einem 16stündigen Flug von Tokio sind Hans-Joachim Klein, Traudi Beierlein und Uwe Jacobsen müde und erschöpft, aber sie wissen, in Darmstadt warten sie. „Noch wissen sie nicht, zu welchem Empfang sich die Darmstädter gerüstet haben. Dass schon Fackeln brennen, dass ein Autokorso hunderter blumengeschmückter Fahrzeuge an der Rheinstraße wartet, dass Spielmannszüge und Kapellen sich auf dem Marktplatz Warmspielen, dass Menschen auf den Dächern stehen, wie Trauben am Marktbrunnen hängen, auf mitgebrachten Leitern sitzen, unter dem Triumphbogen am Rathaus frierend, aber tapfer fünf kleine DSW-Mädchen mit Rosensträußen warten. Gegen 21 Uhr ist die Kolonne in der unteren Rheinstraße. Hunderte von Autohupen brüllen ihren Gruß in die Nacht…Der Triumphzug beginnt.“ Und Little Klein sagte dazu: „Mit diesem unerwarteten, begeisterten Empfang reihe sich Darmstadt bei den Eindrücken der großen Reise neben Tokio und Bangkok.“ Und Karl J. Richter schreibt: „Tokio bewies: Deutschlands Schwimmer sind Weltklasse. Entscheidend hat dazu der 22 Jahre alte Student der TH Darmstadt, Hans-Joachim Klein, von seinen Freunden „Little“ genannt, beigetragen. Im Schwimmbecken des Nationalgymnasiums von Tokio erschwamm er eine Bronzemedaille über 100 m Kraul und erkämpfte – im wahrsten Sinne des Wortes – drei Silbermedaillen für die deutschen Staffeln über 4x100 m Kraul, 4 x 100 m Lagen und über 4x200 m Kraul. Über 100 m erkraulte der Student in 54,0 Sekunden neuen deutschen Rekord. Auf dem letzten Meter dieser Sprintstrecke hatte er in unwahrscheinlichem Endspurt den Amerikaner Gary Ilman abgefangen. Sieger war Don Schollander (USA) in 53,4 Sekunden.“

Er war der Star am deutschen Sporthimmel und wurde 1965 zum Sportler des Jahres gekürt. Er hat fast alles erreicht und ist fast alles geworden was er wollte. Was er nicht geworden ist, war Oberbürgermeister von Gießen. Das war sicher zu verkraften. Im Oktober 1985 wurde der promovierte Wirtschafts-Dipl.-Ing. Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg und blieb es 12 Jahre lang. Dann wollte er noch einmal etwas Neues machen und wurde Geschäftsführer der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft. Jetzt nach zehn Jahren ist er im Ruhestand. Aber er sieht so aus, als ob er noch einiges stemmen könnte. In der Politik und der Wirtschaft sind die Erfolge von anderer Art als im Sport, es werden keine Triumphbögen geflochten, aber wir „Heiner“ anerkennen das Lebenswerk.

Liane Palesch, 2. Vorsitzende des Heimatvereins Darmstädter Heiner e.V.